Wenn der Terminplan nicht hält, was er verspricht: Daten statt Annahmen
Referenten: Sarah Lieb & Marcel Weissinger
Vortragsbeschreibung:
Die Terminplanung im Bauwesen basiert häufig auf Erfahrungswerten und subjektiven Einschätzungen, während systematische Rückkopplungen aus abgeschlossenen Projekten nur eingeschränkt erfolgen. Gleichzeitig führen Abweichungen zwischen geplanten und tatsächlichen Bauabläufen regelmäßig zu Terminverschiebungen, Produktivitätsverlusten sowie Konflikten zwischen den Projektbeteiligten. Vor diesem Hintergrund zeigt der Vortrag, wie datenbankgestützte Ansätze genutzt werden können, um Soll-Ist-Vergleiche strukturiert, transparent und projektbegleitend durchzuführen.
Im Zentrum stehen Konzepte und Methoden zur systematischen Gegenüberstellung von geplanten und tatsächlichen Vorgangsdauern. Dabei werden nicht nur reine Zeitabweichungen betrachtet, sondern auch zugrunde liegende Einflussgrößen analysiert, etwa projektspezifische Rahmenbedingungen oder veränderte Abhängigkeiten zwischen Vorgängen. Aufbauend auf einer relationalen Datenbanklösung werden diese Informationen strukturiert erfasst, miteinander verknüpft und für Auswertungen verfügbar gemacht. Dashboards ermöglichen eine kontinuierliche Analyse von Kennzahlen wie Produktivitätsentwicklungen, Stillstandsdauern sowie der Differenzierung zwischen gestörten und ungestörten Bauabläufen. Ergänzend erfolgt eine Zuordnung von Abweichungen zu Verantwortungsbereichen (z. B. Auftraggeber, Auftragnehmer oder Dritte).
Ein besonderer Fokus liegt auf den Auswirkungen von Abweichungen auf die Gesamtbauzeit sowie auf einzelne Projektphasen. Der Vortrag zeigt auf, wie datenbankgestützte Soll-Ist-Vergleiche als Frühwarnsystem eingesetzt werden können, um Risiken und Chancen frühzeitig zu identifizieren und über etablierte Kommunikationswege, etwa den VOB-Schriftverkehr, transparent zu machen. Dadurch entsteht eine fundierte Entscheidungsgrundlage für projektbegleitende Steuerungsmaßnahmen.
Der Mehrwert des Ansatzes liegt insbesondere in der praxisnahen Unterstützung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP). Durch die systematische Auswertung von Projektdaten werden belastbare Erfahrungswerte geschaffen, die in zukünftige Terminplanungen einfließen können. Gleichzeitig fördert die erhöhte Transparenz eine Abkehr von konfrontativen Rollenbildern hin zu einer kooperativen, projektorientierten Arbeitsweise im Sinne eines „best for project“-Ansatzes.